Faszientraining Teil 1

Jeder hat schon mal davon gehört, von „diesen Faszien“. Faszientraining in Form von Selbstmassage als Bestandteil der Trainingsroutine sieht man jedoch viel zu selten. Leider …

Ich werde Dir im ersten Teil zum Thema Faszientraining kurz erläutern was Faszien sind und wie sich unsere einseitigen Belastungen des Alltags auf dieses faszinierende System auswirken und welche Probleme dadurch entstehen.

 

 

Was sind Faszien?

Faszien, auch Bindegewebe genannt, durchziehen unseren ganzen Körper und umhüllen unsere Organe, Muskeln und Knochen und verbinden diese miteinander. So gibt dieses netzartiges Gewebe unserem Körper Form und Struktur und übernimmt trotz einheitlicher Ausgangssubstanz unterschiedlichste Funktionen. Während z.B. Sehnen durch ein dichtes Fasziennetz zug- und reißfest sind, weisen Muskeln eine dehnbare und weiche Struktur auf.

Ein ziemlich passender Vergleich ist das muskuläre Fasziengewebe mit einer Grapefruit: sie ist von einer stärkeren weißen Haut umgeben, weitere Häute unterteilen die Grapefruit in größere Kammern, welche wiederum aus kleinsten Fruchtfleisch-Einheiten bestehen. Alles umgeben von dünnster Haut. So ist auch jede Muskelfaszie – vom Bündel bis zur kleinsten Muskelfaser – von einer Faszienhülle umgeben.

 

 

 

Die vier Grundfunktionen der Faszien

Robert Schleip, der führende Faszienforscher bringt die Funktionen des Bindegewebes in seinem Buch „Faszien Fitness“ auf den Punkt:

 

1. Faszien Formen:

Sie umhüllen, polstern, stützen und geben dem Körper Struktur. Zudem übernehmen sie wichtige Schutz und Stoßdämpferfunktionen.

 

2. Faszien bewegen:

Sie übertragen Kraft, speichern und halten Spannung und dehnen sich.

 

3. Faszien versorgen:

Sie beinflussen maßgeblich den Stoffwechsel von Lymphe, Blutbahnen und Nerven und den Flüssigkeitstransport.

 

4. Faszien Kommunizieren:

Reize und Informationen werden empfangen und weitergeleitet.

 

 

Verklebte Faszien mit Folgen

Trainierte Faszien weisen eine gleichmäßige Netzstruktur auf, die auf Druck zurückfedert und die oben aufgeführten Funktionen erfüllen kann.

Bewegungsmangel, Fehlhaltung, einseitige Belastungen und einseitiges Training führen jedoch zu Verklebungen und Verfilzungen der Faszien. Auch psychische Anspannung und Stress erhöhen fasziale Spannungen. Sind die Faszien verklebt, ist ein Gegeneinandergleiten der einzelnen Faszienschichten, die Kraftübertragung von Muskel zu Muskel und die Koordination negativ beeinträchtigt. Man muss damit mehr Energie für Bewegungen aufbringen und die Körperhaltung verschlechtert sich, weil man unbeweglicher wird und das Gewebe weniger elastisch ist.

Fasziale Verklebungen nehmen wir allerspätestens bei Muskelschmerz und Verspannungen wahr. Im Fasziengewebe befinden sich kleinste Sensoren, die für die Schmerzempfindung verantwortlich sind. Diese Sensoren sind zum Beispiel im Bereich des unteren Rückens besonders stark gebündelt. Wer hätte es gedacht…

Wichtig zu wissen: Liegen Störungen einzelner Körperareale vor, so wirken diese nicht nur isoliert und lokal, sondern haben körperweite Reaktionen zur Folge.

In meinem nächsten Artikel möchte ich auf typische Haltungsprobleme und Muskelverspannungen eingehen und mögliche Lösungsvorschläge darstellen und Dir damit das Faszientraining in Form von Selbstmassage näher bringen!

 

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